Lehre SoSe 2012

Hauptseminar Film nach dem Film - Digitaler Film, Postkinematografisches Kino

“Die Story war langweilig, aber die Effekte waren grandios!” Regelmäßig hört man diesen Satz noch von Kinogängern, die gerade einen Hollywood-Blockbuster gesehen haben. Lev Manovich klagte bereits 2001, dass die technischen Entwicklungen in der digitalen Bewegtbildproduktion kein Ende finden würden, nicht jedenfalls, bis der Algorithmus gefunden sei, um das perfekte Bild zu produzieren. So lange, meint Manovich, würden wir immer nur von den Effekten sprechen, so lange ermöglichten digitale Technologien keine neuen kinematografischen Sprachen.
Und dennoch, seit dem systematischen Einsatz von computergenerierten Sequenzen in Tron (1982) haben sich das Medium Film und der Ort Kino deutlich gewandelt. Im Seminar interessieren wir uns jedoch weniger dafür, wie Film als Bewegtbild auf andere Leinwände ausgewandert, portabel geworden ist, anders produziert, gespeichert und vertrieben wird. Vielmehr wollen wir untersuchen, wie sich die “Natur” des analogen Filmbildes durch digitale Technologien verändert hat. Digitale Techniken besitzen ihre eigene Logik, ihre eigene Charakteristik. Was macht also die Merkmale des computergenerierten Filmbildes aus? Welche anderen Sichtweisen, Perspektiven ziehen damit in die Repräsentation ein? Welche neuen Raumzeitverhältnisse sind dafür spezifisch, und welche Zuschauer- bzw. Subjektpositionen werden produziert? Dabei wollen wir Filme untersuchen, die ganz dezidiert die digitalen Technologien zur Schau stellen, wie Eternal Sunset of a Spotless Mind, Avatar, Inception, Hudsucker bpsw. Wir werden aber auch Filme untersuchen, die mit den Prinzipien des Digitalen arbeiten, ohne die Techniken zu verwenden, wie Being John Malcovich, Caché, bspw.
Wir werden uns hierfür theoretische Unterstützung von Garrett Stewart, Sean Cubitt und Lev Manovich holen (Texte in Englisch).

Lehre SoSe 2012

Hauptseminar Cracks, hacks, activism - Programmatiken und Taktiken künstlerischer Intervention in Computer-Games und im Internet

Die Aneignung vorhandenen kulturellen Materials ist in industriellen Gesellschaften seit langem eine übliche künstlerische Strategie. Marcel Duchamps ins Museum gestellte Toilettenschüssel ist eine Ikone dieses Verfahrens, welche ihren industriellen Charakter zur Schau stellt. Auch technische Medien funktionieren nach dem Prinzip industrieller Verfertigung: wenige Originale, viele identische Kopien. Die kann man mühselig verändern. Digitale Technologien folgen jedoch einer postindustriellen Logik. Viele Medienobjekte lassen sich bereits bei ihrer Generierung manipulieren. Man baut Charaktere, Umgebungen, Levels, man gestaltet seinen eigenen Blog, sein Facebook-Profil. User sind ProdUser. Künstlerische Freiheit pur? Natürlich nicht! Im Gegensatz zu älteren technischen Medien, bei denen Begrenzungen bezüglich der Produktionsmittel und des Materials (teuer) bestanden, existieren sie bei digitalen Technologien vor allem bezüglich des Daten-Zugangs. Überschreitet man hier ein Grenze, steht man leicht mit einem Bein im Knast. Noch nie in der Geschichte der Ästhetik der Medien war künstlerische Aneignung vermutlich so nah an Illegalität.
Wir werden uns im Seminar deshalb zunächst einen Überblick über die Begriffe des crackens, des hackens sowie des Internet-Aktivismus verschaffen. Dann werden wir die Strategien der künstlerischen Aneignung an Beispielen (D.O.C., eyetrap, uebermorgen.com, Yes-Men, 0100101110101101.org) untersuchen und ihre unterschiedlichen Motivationen analysieren, die zwischen ästhetischer und politischer Intervention changieren.