{"id":136,"date":"2008-09-15T18:21:36","date_gmt":"2008-09-15T17:21:36","guid":{"rendered":"http:\/\/christianekoenig.de\/page\/?p=136"},"modified":"2009-04-13T18:22:28","modified_gmt":"2009-04-13T17:22:28","slug":"lehre-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/christianekoenig.de\/?p=136","title":{"rendered":"Lehre"},"content":{"rendered":"<p>WS 2008\/09 Universit\u00e4t zu K\u00f6ln<\/p>\n<p><strong>Inseln und Meer im Film<\/strong><\/p>\n<p>Inseln sind geophysikalisch betrachtet, relativ kleine Landmassen, umschlossen von Wasser, zumeist Meer. Sie besitzen eine jeweils einzigartige Geomorphologie, meist ihr eigenes Klima, abh\u00e4ngig von der Lage, auf der sich besondere Biotope, spezifische Floren und Faunen entwickeln. Zugleich k\u00f6nnen sie ganz verschiedenen sein, je nachdem, aus welchen Gesteinsmassen sie bestehen, vulkanisch, die Spitze einer riesigen unterseeischen Tektonik oder nur aus Sand. Sie k\u00f6nnen Teil einer Inselgruppe sein oder ein einzelnes Atoll.\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Nun aber zu denken, Inseln definieren sich topographisch nur durch ihre Abgeschlossenheit, w\u00e4re allzu naiv. Denn was wir als Insel definieren und auf welche Weise, h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab, die letztlich s\u00e4mtlich kulturell und historisch spezifisch codiert sind. Inseln sind kulturelle Artefakte, f\u00fcr die gerade charakteristisch ist, dass sie kulturell und auch r\u00e4umlich kontextualisiert sind.\u00a0<\/p>\n<p>Inseln bilden Topoi, und je nachdem, wie man auf sie blickt, geraten unterschiedliche Aspekte in den Blick. Der Blickpunkt macht schon einen Unterschied: Schaue ich von einer Insel aus auf das sie umgebende Meer oder schaue ich vom Meer oder gar aus der Luft darauf. Die Perspektive von der Insel aus erm\u00f6glicht eine Imagination von Weite, von der Unendlichkeit des Horizonts oder auch vom nahe gelegenen Festland. Blicke ich vom Meer aus auf die Insel, erscheint sie mir als Rettungsanker, der mir festen Boden unter den F\u00fc\u00dfen garantiert. Die Vogelperspektive vermag Auskunft \u00fcber die Distanz der Insel zu anderen zu geben. M\u00f6glicherweise existiert ja ein \u201aMeer von Inseln\u2019 (Archipel), und es bildet sich ein Netzwerk, das durch das Wasser als Medium verbunden ist.\u00a0<\/p>\n<p>Und da ist die Insel selbst: Mit ihren meist aus Sand bestehenden Str\u00e4nden bildet sie einen Grenzbereich zum Meer, der, wie Mandelbrot bei der Berechnung seiner Fraktale gezeigt hat, so gut wie unberechenbar ist. Mit jeder Welle und der dadurch bewegten K\u00f6rnchen ver\u00e4ndert die Insel ihre festen Grenzen. Auch andere Unbestimmheitszonen ergeben sich bei n\u00e4herer Betrachtung. Das Klima, das auf der Insel herrscht, ist sowohl durch Meeresstr\u00f6mungen als auch durch klimatische Bedingungen an anderen Orten der Welt bedingt; Tourismus und wissenschaftliche Expeditionen ver\u00e4ndern \u2013 nur allein durch Beobachtung schon \u2013 das Gleichgewicht der inselinternen Flora und Fauna.\u00a0<\/p>\n<p>Und dann ist da die menschliche Imagination \u00fcber die Insel: Als Topos der Abgeschlossenheit nimmt sie Gestalt der Utopie, Heterotopie, Dystopie oder sogar Achronie an. Sie ist ein beliebter Ort f\u00fcr die Projektion von W\u00fcnschen, sie fungiert als Bild des paradiesischen Urzustands (\u201ader Menschheit\u2019), der sich endlos ausdehnt, Wiederholung des Immergleichen. Oder auch gerade nicht. Ebenso wie das Meer, das zugleich Medium und ebenfalls Projektionsfl\u00e4che sein kann, meist f\u00fcr das Dunkle, Unbewusste, f\u00fcr archaische \u00c4ngste, aber auch f\u00fcr kollektive Sensationen.\u00a0<\/p>\n<p>Im Seminar besprechen wir Filme, die diese verschiedenen Aspekte und Funktionen von Insel und Meer aufgreifen und ihre jeweils eigene Geschichte davon erz\u00e4hlen. Diese Historiographien versuchen wir auf die Frage nach dem \u201aSubjekt\u2019 zuzuspitzen, vom \u201amonadischen Subjekt\u2019 der Moderne bis zur \u201anomadischen Subjektivit\u00e4t\u2019 des Schwarms, des Netzwerks in der Postmoderne. Unsere Leitfrage lie\u00dfe sich folgenderma\u00dfen formulieren: Was passiert (heute, damals, woanders) beim Inselschauen? Was ist das Begehren, das sich in den Filmen realisiert?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WS 2008\/09 Universit\u00e4t zu K\u00f6ln Inseln und Meer im Film Inseln sind geophysikalisch betrachtet, relativ kleine Landmassen, umschlossen von Wasser, zumeist Meer. Sie besitzen eine jeweils einzigartige Geomorphologie, meist ihr eigenes Klima, abh\u00e4ngig von der Lage, auf der sich besondere Biotope, spezifische Floren und Faunen entwickeln. 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