{"id":175,"date":"2008-11-19T08:46:05","date_gmt":"2008-11-19T07:46:05","guid":{"rendered":"http:\/\/christianekoenig.de\/?p=175"},"modified":"2009-06-19T08:48:25","modified_gmt":"2009-06-19T07:48:25","slug":"ausstellungsfuhrung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/christianekoenig.de\/?p=175","title":{"rendered":"Ausstellungsf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fchrung im Rahmen der Ausstellung &#8222;Play Gender&#8220; beim Ladyfest K\u00f6ln (21.-23. November 2009 ) im Kulturbunker M\u00fchlheim zu Arbeiten von: Anis, Hans Diernberger, Mimikry, Phillip Jaan, Lisa Klinkenberg, Sandra Stein, Jens Pecho, Esther, Sara Katrine Thiesen, Timo Seber, Daniela Krneta, Martina Klauser. <!--more--> <!--StartFragment--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dass unsere Gesellschaften, Kulturen und Lebenswelten immer noch durch die hetero-m\u00e4nnlich installierte, heteronormative Matrix bestimmt ist, wird hier niemand bestreiten wollen. Ein einziger Blick in die Medien gen\u00fcgt, um uns klar zu machen, dass Geschlecht immer noch als m\u00e4nnlich und weiblich auf der Agenda steht, auch wenn mittlerweile die Spielregeln zumindest an der Oberfl\u00e4che dahingehend gelockert zu sein scheinen, dass unsere Sexualit\u00e4ten und unsere geschlechtlichen Identit\u00e4ten vielfach mit einander kombinierbar sein k\u00f6nnen\/d\u00fcrfen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">PlayGender nimmt dies auf. Auch wenn die Veranstalterinnen selbst verk\u00fcnden, dass es sich um einen nicht ganz so neuen Ansatz handelt, ist es doch ein bew\u00e4hrter, vor allem auch ein bewusster, weil doppeldeutiger. PlayGender ist eine sch\u00f6ne Denotation und gleichzeitig ein doppelb\u00f6diges Wortspiel, wenn man die Begriffe vertauscht.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Obwohl wir von Judith Butler wissen, dass wir der Interpellation des Symbolischen nicht entgehen k\u00f6nnen, sondern direkt von den Inhalten der Geschlechternormen getroffen werden, sollten wir ihnen nicht so viel Macht \u00fcber uns zugestehen, sie nicht so ernst nehmen. Das hat insbesondere Eve Kosofsky Sedgwick als direkte Antwort auf Butler in die Formulierung gekleidet, dass es ma\u00dfgeblich darauf ankommt, wie wir mit diesen Anrufungsformen umgehen, sie also wie einen Pingpongball spielen, aber eben nicht direkt zur\u00fcckspielen sollen. Und doch geht es eben um dieses Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen dem \u201eSpiel der Geschlechter\u201c und dem \u201eGeschlechter spielen\u201c.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dazu ein Zitat vom gro\u00dfen Spiel-Theoretiker bzw. Ludologen John Huizinga:<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u201eSpiel ist eine freiwillige Handlung oder Besch\u00e4ftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig vorgenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gef\u00fchl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des \u201eAndersseins\u201c als das gew\u00f6hnliche Leben\u201c<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das Spiel selbst ist ebenfalls immer zweipolig: Einerseits gibt es auf der formalen Ebene Regeln, die auch gekannt und eingehalten werden m\u00fcssen. Andererseits ist spielen auf der Handlungsebene eine selbstgen\u00fcgsame, zweckfreie Bet\u00e4tigung, die \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 als Ziel oder Zweck oder Gratifikation die Entspannung, das Vergn\u00fcgen, ja den Lustgewinn hat. Spielen tut man f\u00fcr sich selbst oder h\u00f6chstens noch in einer Gemeinschaft von \u00e4hnlich Interessierten. Auch wenn wir beim Spielen die ritualisierten, wiederholbaren Regeln, den Algorithmus also, anwenden, k\u00f6nnen wir immer beim Ereignis selbst, das an Raum-Zeit-Parameter und die Materialit\u00e4t bspw. unserer K\u00f6rper gebunden ist, \u00c4nderungen erzielen. Manchmal machen wir dies weniger bewusst, manchmal sehr bewusst, also strategisch, manchmal kennen wir unsere Strategien genau und wissen, was wir mit ihnen bewirken wollen. Im Fall von Gender w\u00e4ren die bekannten die Evokation und Verschiebung, die unautorisierte Aneignung, die widerst\u00e4ndige Wiederholung, die Dekontextualisierung und die damit verbundene Rekontextualisierung. Manchmal ist es uns aber auch egal, wir spielen Geschlechter, weil wir unser Vergn\u00fcgen daran haben, ohne zu kalkulieren, was schlussendlich dabei herauskommt. M\u00f6glicherweise k\u00f6nnen aber gerade so, je l\u00e4nger und je \u00f6fter die AkteurInnen und AgentInnen dieser Gemeinschaft spielen, auch die Algorithmen modifiziert werden. Wie ihr seht oder sehen werdet, geht es also nicht nur darum, gesteckte Spielr\u00e4ume zu nutzen, sondern die Grenzen dieser R\u00e4ume beim Nutzen durch Deplatzierungen, \u00dcberwucherungen, Neubildungen, zu erweitern.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00a0<\/p>\n<p><span>Alle Arbeiten und k\u00fcnstlerischen Positionen nehmen Bezug zu den Regeln, die das Genderplay\/PlayGender vorgibt, ohne dass damit schon bestimmt w\u00e4re, dass bzw. wie sie beim \u201edurchspielen\u201c angewendet werden. Viele der K\u00fcnstlerInnen machen dies vor dem Hintergrund ihrer pers\u00f6nlichen \u2013 die ja auch immer eine politische ist \u2013 Position (Kunst hat, wie wir wissen, kein Geschlecht, aber die Menschen, die sie betreiben, schon). Die k\u00fcnstlerischen Strategien vervielf\u00e4ltigen, veruneindeutigen, \u00fcberh\u00f6hen, depotenzieren dabei diese Geschlechterregeln auf ganz unterschiedliche, heterogene Art und Weise, so dass die Arbeiten selbst als Zeugnis eines Spielprozesses auffassen kann: Es geht nicht immer nur um das Prinzip des Sichtbarmachens von \u201everkehrten Darstellungsweisen\u201c oder \u201evon bislang Mariginalem\u201c von scheinbar klaren Inhalten, sondern vielmehr darum, Wege, M\u00f6glichkeiten, Potenzialit\u00e4ten sich ereignen zu lassen, umzusetzen, zu erarbeiten, zu verwirklichen, zu streuen, wirken zu lassen.\u00a0<\/span><!--EndFragment--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fchrung im Rahmen der Ausstellung &#8222;Play Gender&#8220; beim Ladyfest K\u00f6ln (21.-23. 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