{"id":196,"date":"2009-09-03T18:37:20","date_gmt":"2009-09-03T17:37:20","guid":{"rendered":"http:\/\/christianekoenig.de\/?p=196"},"modified":"2009-09-03T18:37:57","modified_gmt":"2009-09-03T17:37:57","slug":"lehre-ws-200910-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christianekoenig.de\/?p=196","title":{"rendered":"Lehre WS 2009\/10"},"content":{"rendered":"<p><!--StartFragment--><span>Biomedien, Biodigitalit\u00e4t \u2013 Das Leben unter hochtechnologischen Bedingungen<\/span><!--EndFragment-->\u00a0<\/p>\n<p><span>Das Medium Film besitzt schon immer einen besonderen Status als Instrument zur Erkenntnis psycho-physiologischer Funktionen des Menschen. In das filmische Dispositiv sind aber nicht nur die Bedingungen menschlicher Wahrnehmung implementiert, sondern der Film schmiegt sich auf charakteristische Weise mimetisch an das Leben selbst an. Bereits 1909 stellt der \u00f6sterreichische Biologe Julius Ries die ersten mikrokinematografischen Aufnahmen von Zellprozessen her. Besonders ist an diesen Veranschaulichungen, dass Film als Bewegungsbild und die Lebendigkeit der Zelle eine eigent\u00fcmlich \u201enat\u00fcrliche\u201c Verbindung eingehen. Zudem entstehen schon um 1900 Bildrepr\u00e4sentationen, deren Inhalte mit dem blo\u00dfen Auge nicht mehr erkennbar sind. <!--more-->Heutzutage sind mediale Techniken sowie Visualisierungsstrategien (des \u201eK\u00f6rperinneren\u201c) aus den Labors der Biotechnologien nicht mehr wegzudenken. Was im sogenannten \u201ewet lab\u201c bspw. an Proteinen zur DNA-Rekombination f\u00fcr transgene Pflanzen und Tiere extrahiert wird, kann mittels Computerprogrammen im virtuellen Raum experimentell neu zusammen gesetzt werden. Aber auch Proteine, S\u00e4uren und Basen von Genomen werden gezielt als Medien zur Informations\u00fcbermittlung eingesetzt, mittels derer Organismen sich anders verhalten, als \u201evon Natur aus\u201c. Im Verlauf der vergangenen 100 Jahre hat sich durch technisch-wissenschaftliche Technologien eine wesentliche Verschiebung mit Bezug auf das Lebendige eingestellt: W\u00e4hrend Ries noch veranschaulichen wollte, wie der \u201enat\u00fcrliche\u201c Lebensprozess abl\u00e4uft, werden heutzutage Medien eingesetzt, um das \u201eLeben an sich\u201c auf dem Rei\u00dfbrett mitzugestalten. Von der Frage nach Funktion und Organisation des Lebendigen sind die Life Sciences zur Produktion \u00fcbergegangen. Dabei lautet ein wesentlicher Leitsatz, dass das Biologisch-Nat\u00fcrliche im Vordergrund stehe, das Technische nur eine auxiliarische Funktion einnehme. Aber, ist das wirklich der Fall? Dass man hier nicht mehr nur von Repr\u00e4sentation bez\u00fcglich der Funktion von Medien sprechen kann, ist klar. Vielmehr sind Medien und Biologie zu einem technisch-medialen \u2013 und kommerzialisierten \u2013 Konglomerat verschmolzen. Diese Verschmelzung hat auch kulturelle Auswirkungen. Wenn ganze Organe aus Stammzellen gez\u00fcchtet, sogar Menschen geklont werden k\u00f6nnen, dann steht nichts Geringeres als das Humane und die menschliche Identit\u00e4t auf dem Spiel. Das Kino wiederum ist ein kultureller Ort, an dem diese Problematik mit Vorliebe verhandelt wird. Im Seminar fragen wir deshalb, in welchem Verh\u00e4ltnis die (Re-)Produzierbarkeit biologischer Substanzen bspw. durch Gentechnik und Klonen zur technischen Reproduzierbarkeit von Bildern steht. Wie wirkt sich dieses Verh\u00e4ltnis auf kulturelle Vorstellungen vom menschlichen Leben, aber auch vom Tod, vom K\u00f6rper, von Geschlecht, von Krankheit und Gesundheit aus? Welche Auswirkungen besitzt dies wiederum auf gesellschaftliche Strukturen wie Subjektivit\u00e4t, Familie und Generationenfolgen? Wir werden zun\u00e4chst einen Begriff von Biomedien im Kontext ihrer wichtigsten kulturellen Dispositive erarbeiten. Dann werden wir anhand von Filmen aus den vergangenen 30 Jahren nachvollziehen, wie das Kino als kulturelle Technologie mit der Konvergenz von Biologischem und Technischem umgeht. Welche \u00c4ngste vor dem Verlust der Einigartigkeit des humanen Lebens werden bspw. aufgef\u00fchrt? Welches Begehren wird aber auch produziert und vermittelt, dieses Leben mittels Technologien zu kontrollieren und regulieren. Welche neuen Lebensformen entstehen hierdurch \u00fcberhaupt? Unser Filmmaterial wird sein: The Stepford Wives (USA 1975), The Clonus Horror (USA 1979), Blade Runner (USA 1982), Gattaca (USA 1997), Code 46 (GB 2003), Blueprint (D 2005), The Island (USA 2005), Teknolust (USA\/GB\/D 2005).<\/span><!--EndFragment--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biomedien, Biodigitalit\u00e4t \u2013 Das Leben unter hochtechnologischen Bedingungen\u00a0 Das Medium Film besitzt schon immer einen besonderen Status als Instrument zur Erkenntnis psycho-physiologischer Funktionen des Menschen. In das filmische Dispositiv sind aber nicht nur die Bedingungen menschlicher Wahrnehmung implementiert, sondern der Film schmiegt sich auf charakteristische Weise mimetisch an das Leben selbst an. 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