Lehre WS 2009/10

 

Medien/Dispositive: Geschichte(n) der technischen Medien 19./20. Jahrhundert

Technische Medien sind symbolische Maschinen. In ihnen ist physikalisch-mathematisches Wissen ebenso implementiert wie Wissen über die Sinnesleistungen „des Menschen”. In ihrer Genese stellen sie sowohl Objekte als auch Instrumente der menschlichen Erkenntnis dar. Insofern sind sie bei weitem nicht nur „extensions of man” (Marshall McLuhan). Sie modulieren in technischer, sozialer und kultureller Hinsicht die Bezüge gesellschaftlicher Subjekte: zur Welt, zu Wissensordnungen, zu kulturellen Kontexten sowie zu sozialen Gefügen, vor allem aber auch zu „sich selbst”.

„Die” Geschichte der technischen Medien nachzuvollziehen, geht daher über eine Darstellung ihrer jeweiligen „Erfindungen” durch einzelne Personen hinaus. Auch erschöpft sie sich nicht im Modell einer linearen Entwicklung ihrer Techniken. Medien konstituieren sich immer in Verbünden, im Kontext von Wissenskonfigurationen, im Wechselspiel mit Diskursen. Sie sind nicht ohne den Bezug zu machtpolitischen Effekten und wirtschaftlichen Interessen zu denken. Vor allem aber stehen sie im Kontext von politischen und sozialen Institutionen und bedingen soziale Praktiken. Insofern sind sie soziokulturelle Technologien, eingebettet in Dispositive. Sie können bspw. ebenso als Instrumente der Identifizierung (die Polizeifotografien Alphonse Bertillons), als Techniken der Körperdisziplinierung (die Verzeichnung der Hysterie Jean-Martin Charcots durch Albert Londe) wie als Techniken zur Einübung in bestimmte Sehweisen (die mikrokinematografischen Aufnahmen von Zellprosessen bei Julius Ries) fungieren.

Das Seminar ist darauf angelegt, einen medienarchäologischen Blick auf die technischen Medien Fotografie, Film/Kino, Computer im 19. und 20. Jahrhundert zu werfen, um dabei einmal ihre Dispositive mit deren technologischen Funktionsweisen sowie zum zweiten deren Effekte bei der Herstellung von „Subjekten” zu verdeutlichen. Dabei soll ein spezielles Augenmerk auf die Wirkungsweise von Medien als Produzenten der Sichtbarkeit/Unsichtbarkeit insbesondere des Anderen, d. h. von Geschlecht, Hautfarbe, ethnischer und religiöser Herkunft gelegt werden.